Nach Verkaufsüberlegungen für die Autosparte haben sich auch für weitere Bereiche Interessenten gemeldet.
Nachdem Nokia angekündigt hatte, die Produktion von Handys aus Kostengründen aus Bochum abzuziehen und stattdessen in ein neues Werk nach Rumänien zu verlagern, sind weitere Pläne zur Zerlegung des Unternehmens bekannt geworden. Dies bestätig auch ein Sprecher des Nokia Betriebsrats. Schon am Montag hatte Nokia mitgeteilt, dass der ehemaligen Manager Razvan Olosu und der Finanzinvestor Equity Partners an dem Kauf der Autosparte interesse hätten und Nokia nicht abgeneigt sei. In der Autosparte arbeiten etwa 200 der ca. 3500 Mitarbeiter in Bochum. Nun sind jedoch neue Informationen aufgetaucht, nach denen der finnisch-indische Konzern Saskan Interesse an „Core Software“ geäußert haben soll und darüber mit Nokia in Verhandlungen treten möchte. „Core Software“ stellt die Software für Nokia Handys her. In etwa 150 Personen arbeiten in Bochum in diesem Bereich.
Für die Beschäftigten in Bochum scheint es jedoch nicht zu genügen, dass Arbeitsplätze in diesen Sparten erhalten bleibt. Weitere Proteste sind bereits angekündigt. Die Hoffnung der Mitarbeiter wird noch dadurch gestärkt, dass die «Rheinische Post» darüber berichtet, dass ein internes Papier aufgetaucht ist, aus dem hervorgeht, dass mit einer Einmal-Investition von 14,3 Millionen Euro das Werk in Bochum gerettet werden könnte. Die Kapazitäten wären dann verdoppelt und die Produktion müsste nicht verlagert werden.
Dass die Angestellten so sehr darauf drängen, dass Nokia jede Möglichkeit in Erwägung zieht das Werk zu retten, ist nicht verwunderlich. Schließlich verfolgen sie damit nur ihre eigenen Interessen. Die deutsche Politik verleiht diesen Protesten jedoch eine etwas seltsame Schlagrichtung. So versucht Seehofer (CDU) einen Boykott gegen Nokia durchzusetzen und hat auch schon sein eigenes Handy gegen ein neues ausgetauscht. Dabei sollte ihm jedoch klar sein, dass der - von ihm ja im Grunde genommen befürwortete - Wettberwerb auf dem globalen Markt bestimmte ökonomische Entscheidungen erzwingt und diese mit nationalen Boykottaufrufen nicht sinnvoll zu ändern sind.