Bei Ratingagenturen handelt es sich um Unternehmen in privaten Händen, die auf Gewinnorientierung ausgerichtet sind. Diese Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen sowie auch von Staaten und deren Gebietskörperschaften.
Die Vergabe des Ratings erfolgt in einer Buchstabenkombination, wobei AAA die beste Qualität darstellt und der Code D die Zahlungsunfähigkeit zum Ausdruck bringt. Die Ratingcodes stellen zunächst eine Rangfolge dar, die auch die Widerstandsfähigkeit gegen konjunkturbedingte Schwankungen berücksichtigt.
Gläubiger und Investoren haben ein großes Interesse daran in Erfahrung zu bringen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, das verliehene Geld wieder zurück zu bekommen. Aus diesem Grund sollen unabhängige fachkundige Dritte die Bonität der Schuldner genauer unter die Lupe nehmen.
Zu Beginn des Ratingprozess übergibt ein Mandant einen Auftrag an eine Ratingagentur, dem so genannten Mandatsvertrag. Der Inhalt des Vertrags ist der Auftrag, die Rückzahlungsfähigkeit eines Schuldners zu überprüfen, wobei öffentliche Informationen herausgegeben werden aber auch nicht öffentliche interne Firmendaten überprüft werden. Dabei handelt es sich zum Beispiel um die Liste der Top10 der besten Kunden, der bedeutendsten Wettbewerber und der detaillierten Ertrags- und Kostenstrukturen.
Nach der genauen Prüfung des Unternehmens geben der Junior- und Senior-Analyst eine Ratingempfehlung ab, die letztendlich vom Rating-Komitee abgesegnet wird. Diese Entscheidung wird schließlich dem Auftraggeber vorgelegt und nach dessen Zustimmung veröffentlicht.
In regelmäßigen Abständen wird ein Rating-Update durchgeführt, das prüfen soll, ob die Rückzahlungsfähigkeit eines Unternehmens noch immer gewährleistet ist. Die Ratingagenturen haben abhängig von den unterschiedlichen Schuldnern verschiedene Verfahren entwickelt, damit die jeweiligen betrieblichen Bedingungen der Schuldner berücksichtigt werden können.
Die Strategie der Ratingagenturen unterlag bisher natürlich auch einiger Kritik. So sahen die Staaten keine großen Probleme, als die Agenturen den sieben bedeutendsten Wirtschaftsnationen ein AAA-Rating einräumten. Allerdings änderte die Enron-Krise diesen Umstand, da den Ratingagenturen in deren Folge Interessenkonflikte, Undurchschaubarkeit der Grundlage der Entscheidungen und ein pro-zyklischer Vorgang vorgeworfen wurden.
Die Finanzkrise 2007 ließ die Kritik an den Ratingagenturen weiter in die Höhe schießen, was eine „politische Debatte auf höchster Ebene” auslöste. Den Agenturen wurde der Vorwurf gemacht, „mit der Vergabe teilweise unrealistisch guter Ratings oft gar mit der Bestnote AAA bewertete verbriefte Wertpapiere den Marktteilnehmern ein zu niedriges Risiko signalisiert und dadurch den Finanzmärkten einen falschen Anreiz gegeben zu haben”.
Zudem wird kritisiert, dass die Agenturen von Auftraggebern angeheuert werden, um gleichzeitig deren Finanzprodukte zu bewerten. Den Agenturen wird dabei vorgeworfen, gute Ratings nur aus dem Grund zu vergeben, um die Aufträge zu bekommen. „Der Interessenkonflikt zwischen Agenturen und den Emittenten als ihren Auftraggebern träte nicht auf, wenn statt der Emittenten die Kapitalanleger die Ratings auf Auftrag gäben.”
August 7th, 2011 um 13:04
Bei aller Kritik ist ein Rating nach wie vor einfach nur ein Krediturteil, wie sie von Banken, aber auch hierzulande von Creditreform, Euler Hermes und D&B in Form von Scorings abgegeben werden. Ohne ein Rating oder Scoring ist kaum eine Kreditentscheidung möglich, und auch Finanzierungsmarktplätze empfehlen, diese zu nutzen. Das Thema beim Rating ist immer die Stabilität der Cash Flows, die für einen erfolgreichen Kapitaldienst notwendig ist. Wichtige Faktoren bei der Analyse sind dann auch immer: Eigenkapital, Cash Flow/Liquidität, Wettbewerbsposition, Fixkostenstruktur und viele andere Indikatoren der Ertragsstabilität.