Die Besonderheit des Falls Lidel wurde schnell eingeschränkt, als bekannt wurde, dass auch andere Unternehmen ihre Mitarbeiter bespitzeln. Nun wurde auch bekannt, dass die Telekom auf höherer Ebene ebenso verfuhr.

Was dürfen Unternehmen und was nicht? Natürlich müssen die Arbeitgeber wissen, was ihre Arbeitnehmer so machen, doch dazu dürfen sie nicht alles tun. Manche Dinge sind grenzüberschreitend. Dies hatte Lidel eindrucksvoll bewiesen, hatte die Supermarktkette doch eigens Detektive eingestellt, die selbst den Toilettengang und private Beziehungen der Mitarbeiter_innen überwacht haben.
Nun ist jedoch auch die Telekom ins Fadenkreuz geraten. Einige Mitarbeiter_innen haben scheinbar brisante interne Informationen der Telekom nach außen weiterverkauft. Natürlich hat die Konzernspitze dann ein Interesse an Aufklärung. Was die Polizei nur in besonderen Fällen darf, darf die Telekom natürlich erst recht nicht. Dazu gehört die Überprüfung von privaten Telefonaten von Mitarbeiter_innen. Das hat die Konzernspitze jedoch offensichtlich getan.
Nun ist man bemüht die Sache aufzuklären und die Wogen zu glätten. Der Aufsichtsrat hat sich dabei hinter den Konzernchef Obermann und seine Bemühungen gestellt. Der Ex-Konzernchef Kai-Uwe Riecke wies dabei sämtliche Vorwürfe zurück. Sonderlich glaubhaft wirkt dies jedoch nicht. Schließlich haben andere schon bestätigt, dass der Auftrag von ganz oben käme. Damit sind Riecke als auch Zumwinkel sicherlich im Fadenkreuz der Aufklärungsermittluingen.
Dabei dürfte klar sein, dass es sich um schwere Fehler des Managements gehandelt haben dürfte. Ein Führung, die es nötig hat, ihre eigenen Mitarbeiter_innen derart zu bespitzeln, hat versagt. Leider scheint es oft spät aufzufallen, wenn das Management versagt, da die eigenen Fehler oft versucht werden zu vertuschen.
Nachdem Zumwinkel wenig ruhmreich seine Karriere bei der Post mit einem Steuerskandal beendet hat, wurde nun Frank Appel der neue Chef. Trotz des unschönen Abgangs Zumwinkels, sind die Fußstapfen, die er hinterlassen hat groß.
Am Montag wurde der 46jährige Frank Appel ohne große Konflikte und am Ende einstimmig vom Aufsichtsrat zum neuen Postchef gekürt. Die Lobreden auf Appel, als auch Appels Kommentar selbst, wirkten eher wie Politikerreden. Appel werde sehr kompetent eingeschätzt und er werde mit seinen Erfahrungen und Fähigkeiten die Aufgaben sehr gut meistern. Er selbst meinte, er wolle wichtige und große Themen anpacken und das Unternehmen im globalen Markt an die Spitze führen. Die Zukunft wird zeigen, ob er dieser Aufgabe gewachsen ist. Sehr lange ist er noch nicht bei der Post. Erst im Jahr 2000 ist er von der Beratungsfirma McKinsey als Manager zur Post gekommen. Dort machte er jedoch sehr schnell Karriere. In der Öffentlichkeit ist Appel nicht sehr bekannt. Er war bisher zumindest kein Medienmensch und hat auch keinen intensiven Kontakte zur Politik unterhalten. Für die aktuellen Kritiker an zu hohen Managergehältern dürfte er jedoch schon jetzt Angriffsfläche bieten. So hat er alleine 2006 schon 2,5 Millionen an Gehältern kassiert. Ebenso wie Zumwinkel spekuliert er gerne auch mit Aktien. Vielleicht aber etwas rücksichtsvoller als Zumwinkel, der schließlich dafür kritisiert wurde, große Gewinne mit der Spekulation mit Post Aktien erzielt zu haben. Ansonsten steht Appel dafür ein kühler Kalkulierer zu sein. Vielleicht kriegt er damit die aktuellen Probleme des Unternehmens in den Griff. Beliebt wird ihn das aber bestimmt nicht machen.
Mit Hilfe einer Stiftung im Fürstentum Lichtenstein soll der Post-Chef, der dem Unternehmen seit 18 Jahren vorsitzt, Steuern hinterzogen haben. Sollte sich Verdunklungsgefahr ergeben, ist für den Dax-Dinosaurier, der eigentlich sein Amt zum Ende des Jahres aufgeben wollte, schon ein Haftbefehl beantragt worden.
Staatsanwälte haben das Büro und die Villa von Zumwinkel am Morgen durchsucht, um Hinweise auf den Verdacht der Steuerhinterziehung zu prüfen. Das Steuersparmodell mittels einer Stiftung soll Zumwinkel bereits seit Mitte der Achtziger Jahre praktiziert haben. Das Vermögen der Stiftung wird momentan auf knapp zehn Millionen Euro beziffert. Zudem bezeichnet sich der Post-Chef selbst als Multi-Millionär, der auch vorhatte, sein Geld nach Asien zu verlagern.
Zumwinkel ist einer der letzten großen Dax-Dinosaurier in der Wirtschaft, die schon seit Jahren im Geschäft sind und lange Zeit die Strippen im Hintergrund zogen. Sein letzter großer Deal sollte vermutlich der Zusammenschluss von Postbank und Deutscher Bank zur größten Privatkundenbank werden. Damit hätte Zumwinkel, der zuletzt auch wegen der Mindestlohnpolitik im Schussfeld stand, seine einzigartige Karriere gekrönt.
Zur Durchsuchung hatte übrigens eine anonyme Anzeige geführt – wer da wohl dem Post-Chef seinen Ruhestand nicht gönnte?