Wenn das kein großer Coup ist. VW übernimmt Scania und macht den Weg frei für die Allianz mit MAN und gleichzeitig macht Porsche den Weg frei zur Übernahme von VW.
War das Aufsehen schon groß bei der Ankündigung von Porsche, VW zu übernehmen, so wundert die Zurückhaltung der Börse bei den neusten Ankündigungen. Dies ist nicht so wirklich verständlich. Ebenso verwundert die Zurückhaltung der deutschen Politik in diesem Zusammenhang. Immerhin dürfte einer der wichtigsten Autokonzerne entstehen.
Schon früher sollte eine Allianz zwischen den LKW-Produzenten Scania und MAN angestrebt werden. Damals hatte sich unter anderem auch VW dagegen gesperrt, der Konzern wollte selbst die Kontrolle über das Geschehen haben und so sollte gewartet werden, bis VW die Mehrheit bei Scania besitzt, was nun eintrat. Damit dürfte der Verbindung von VW, Scania und MAN nichts mehr im Wege stehen. Dies dürfte auch Porsche freuen, denn der Aufsichtsrat hat die mehrheitliche Übernahme der VW-Aktien beschlossen. Dadurch würde ein Autokonzern entstehen, der seinesgleichen sucht. VW als einer der größten Massenhersteller von Autos, Scania und MAN als wichtige LKW-Produzenten und Porsche selbst als erfolgreiche Sportwagenfirma: Das dürfte eine Mischung sein, die es in sich hat.
Wie erfolgreich diese Mischung dann tatsächlich sein wird, muss sich allerdings noch zeigen. Schließlich gab es auch schon weniger erfolgreiche Versuche, eine solche Verbreiterung der Produktionspalette vorzunehmen. Erinnert sei da nur an den Versuch von VW, Luxuswagen herzustellen. Das hat wahrscheinlich auch die Börse noch im Hinterkopf und wartet erstmal die weitere Entwicklung ab.
VW-Betriebsratschef kritisiert Wiedekings Verhalten bei der Zusammenführung von Porsche und VW.
Porsche-Aufsichtsrat-Vorsitzender Wendelin Wiedeking gelang es relativ unspektakulär bei VW einzusteigen. Das Zusammenführen der beiden Unternehmen unter dem Namen “Porsche Automobil Holding SE” gelingt ihm jedoch nicht so beschaulich. Schon im Vorfeld kamen mir Bedenken: Porsche und VW…passt das überhaupt zusammen? Und Schwierigkeiten gibt es sicherlich.
Die betriebsinterne Organisation ist recht unterschiedlich. Für einige macht das den Eindruck als ob VW an alten Modellen festhalten wolle und Wiedeking eine Modernisierung plant, die das Unternehmen auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig macht. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass auch VW moderne Arbeitsorganisationen entwickelt hat. Wiedeking mag bei Porsche großem Erfolg gehabt haben, ob sich allerdings dieselben Methoden für sin anderes Unternhemen wie VW eigenen?
Bei VW spielt die Beteiligung der Arbeitnehmer traditionell eine größere Rolle, und damit ist das Unternehmen nicht unbedingt schlecht gefahren. Doch so wundert es auch nicht, wenn der Betriebsratschef Osterloh Wiedeking “Gutsherren-Art” vorwirft und von “feindlicher Übernahme” spricht. Er fordert für VW eine größere Rolle bei der Gestaltung des neuen Unternhemens. Dabei erhält der Betriebsrat Rückendeckung von Bundesjustizministerin Brigitte Zypris (SPD). Doch auch Wiedeking erhält unterstützung vom BDI und Michael Glos (CDU). Es dürfte zumindest spannend werden, wie das zukünftige Unternehmen genau strukturiert sein wird.