Man hätte meinen können, dass bei den ersten Anzeichen der Finanzkrise ein Bewusstsein für Risikogeschäfte entstanden sein könnte. Der Aktienkurs von VW spricht jedoch eine andere Sprache.
Kurzzeitig ist der Aktienkurs von VW auf über 1000 Euro gestiegen. Dieser Wert spiegelt nicht annähernd den reellen Wert des Unternehmens wieder. Das ist ungefähr das zehn bis zwanzigfache dessen, was Analysten als Kursziel einschätzen würden. Mit diesem hohen Aktienwert ist VW kurzzeitig zum weltweit wertvollsten Unternehmen geworden. Darüber hinaus erhält VW damit im DAX eine enorme Gewichtung. Dies hat zur Folge, dass Software basierte Käufe ausgelöst werden, die völlig unangemessen sind.
Wie konnte es jedoch zu diesem Irrsinn kommen? Schuld sind riskante Geschäfte im Zusammenhang mit Hedge-Fonds. Diese haben darauf spekuliert, dass der Kurs von VW sinken werde. Sie haben VW Aktien verkauft, die sich gewissermaßen nur geliehen hatten und müssen sie jetzt zu horrenden Preisen zurückkaufen. Das Problem wird noch dadurch verschärft, dass nur ein geringer Anteil der VW Aktien im Umlauf sind. Grund für den Anstieg der Aktien war die stärkere Beteiligung von Porsche an VW.
Hedge-Fonds wie Marshall Wace mussten dabei vermutlich Verluste in Milliardenhöhe hinnehmen. Mit diesen Verlustens stehen sie dabei nicht allein da. Auch andere angesehene Hedge-Fonds mussten große Verluste hinnehmen. Dass Geschäfte mit Hedge-Fonds riskant sind ist bekannt. Dies galt jedoch auch schon für Geschäfte mit dem amerikanischen Immobilienmarkt. Im Zuge der Finanzkrise hätten so einige ja bemerken können, dass riskante Geschäfte tatsächlich riskant sind. Das wird jedoch immernoch gerne mal ausgeblendet. Jetzt ist der Jammer groß und alle rufen nach dem Einschreiten der Deutschen Börse. Die macht jedoch das Richtige und sagt, dass das der Markt nun aussitzen müsse. Nächstes mal einfach vorsichtiger sein würde ich empfehlen. Bleibt noch zu hoffen, dass Niedersachen nun VW-Aktien verkauft. Wenn die Unternehmen schon so ungerne Steuern Zahlen, wäre das jedenfalls mal eine Art an Unternehmensgewinne zu kommen, über die sich Markapologeten wohl kaum beschweren könnten.
Wenn das kein großer Coup ist. VW übernimmt Scania und macht den Weg frei für die Allianz mit MAN und gleichzeitig macht Porsche den Weg frei zur Übernahme von VW.
War das Aufsehen schon groß bei der Ankündigung von Porsche, VW zu übernehmen, so wundert die Zurückhaltung der Börse bei den neusten Ankündigungen. Dies ist nicht so wirklich verständlich. Ebenso verwundert die Zurückhaltung der deutschen Politik in diesem Zusammenhang. Immerhin dürfte einer der wichtigsten Autokonzerne entstehen.
Schon früher sollte eine Allianz zwischen den LKW-Produzenten Scania und MAN angestrebt werden. Damals hatte sich unter anderem auch VW dagegen gesperrt, der Konzern wollte selbst die Kontrolle über das Geschehen haben und so sollte gewartet werden, bis VW die Mehrheit bei Scania besitzt, was nun eintrat. Damit dürfte der Verbindung von VW, Scania und MAN nichts mehr im Wege stehen. Dies dürfte auch Porsche freuen, denn der Aufsichtsrat hat die mehrheitliche Übernahme der VW-Aktien beschlossen. Dadurch würde ein Autokonzern entstehen, der seinesgleichen sucht. VW als einer der größten Massenhersteller von Autos, Scania und MAN als wichtige LKW-Produzenten und Porsche selbst als erfolgreiche Sportwagenfirma: Das dürfte eine Mischung sein, die es in sich hat.
Wie erfolgreich diese Mischung dann tatsächlich sein wird, muss sich allerdings noch zeigen. Schließlich gab es auch schon weniger erfolgreiche Versuche, eine solche Verbreiterung der Produktionspalette vorzunehmen. Erinnert sei da nur an den Versuch von VW, Luxuswagen herzustellen. Das hat wahrscheinlich auch die Börse noch im Hinterkopf und wartet erstmal die weitere Entwicklung ab.
VW-Betriebsratschef kritisiert Wiedekings Verhalten bei der Zusammenführung von Porsche und VW.
Porsche-Aufsichtsrat-Vorsitzender Wendelin Wiedeking gelang es relativ unspektakulär bei VW einzusteigen. Das Zusammenführen der beiden Unternehmen unter dem Namen “Porsche Automobil Holding SE” gelingt ihm jedoch nicht so beschaulich. Schon im Vorfeld kamen mir Bedenken: Porsche und VW…passt das überhaupt zusammen? Und Schwierigkeiten gibt es sicherlich.
Die betriebsinterne Organisation ist recht unterschiedlich. Für einige macht das den Eindruck als ob VW an alten Modellen festhalten wolle und Wiedeking eine Modernisierung plant, die das Unternehmen auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig macht. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass auch VW moderne Arbeitsorganisationen entwickelt hat. Wiedeking mag bei Porsche großem Erfolg gehabt haben, ob sich allerdings dieselben Methoden für sin anderes Unternhemen wie VW eigenen?
Bei VW spielt die Beteiligung der Arbeitnehmer traditionell eine größere Rolle, und damit ist das Unternehmen nicht unbedingt schlecht gefahren. Doch so wundert es auch nicht, wenn der Betriebsratschef Osterloh Wiedeking “Gutsherren-Art” vorwirft und von “feindlicher Übernahme” spricht. Er fordert für VW eine größere Rolle bei der Gestaltung des neuen Unternhemens. Dabei erhält der Betriebsrat Rückendeckung von Bundesjustizministerin Brigitte Zypris (SPD). Doch auch Wiedeking erhält unterstützung vom BDI und Michael Glos (CDU). Es dürfte zumindest spannend werden, wie das zukünftige Unternehmen genau strukturiert sein wird.
Seit dem Beginn der Diskussion über einen „Maximal-Lohn“ hat sich in der Bevölkerung große Zustimmung breit gemacht. Die Darstellung in den Medien, die Managergehälter seien vielerorts überhöht und würde die Spanne zwischen „Arm“ und „Reich“ weiter vergrößern, mag in vielen Fällen stimmen, aber ein positives Beispiel muss man in dieser Diskussion hervorheben, Porsche-Chef Wendelin Wiedekind.
Wiedekind hatte das Unternehmen übernommen, als es praktisch am Ende war. Er strukturierte das Unternehmen neu und machte wieder eine Marke aus dem Namen Porsche. Zudem übernahm er mit seinem persönlichen Geld Haftungen für das Unternehmen, ohne dabei irgendwelche Anteile zu besitzen. Die gigantische Summe von 60 Millionen Euro Jahresgehalt setzt sich aus den Vertragsinhalten zusammen, die aus jener Zeit bei Porsche stammen, in welcher die Firma keinerlei Gewinne einfuhr, Wiedekind im Prinzip ohne Gehalt agierte. Nun, knapp 15 Jahre später, beträgt der Gewinn der Porsche AG über fünf Milliarden Euro und ist eines der erfolgreichsten Automobilunternehmen weltweit. Hätte ein Aktionär rund 15.000 Euro zum Dienstantritt von Wiedekind in Porsche-Aktien investiert, dann wäre er heute Millionär, denn der Wert des Unternehmens beträgt heute das 87fache. Leider ist der Porsche-Chef eine seltene Ausnahme. Wenn die Gehälter der Manager ebenfalls an die Erfolge des Unternehmens gebunden wären, würden einige wesentlicher besonnener wirtschaften.
„Maxi-Lohn“ hin oder her – in diesem Fall ist das Gehalt berechtigt. Auch die Ansichten des Porschechefs entsprechen schon gar nicht Ebenbild der öffentlichen Meinung, wie ein Interview in der Zeit verrät.