Die Stromlieferungen der Ukraine zu den EU-Nachbarn Rumänien, Ungarn und Slowakei wurden gestoppt. Der Stopp der Stromlieferung soll einen Monat lang halten. Offiziell werden dafür Kohleengpässe verantwortlich gemacht. Doch dahinter scheint sich ein innenpolitischer Machtkampf in der Ukraine zu verbergen.
Der neue, russlandfreundliche Präsident der Ukraine, Viktor Janukowitsch, war am Montag Abend zu einem Antrittsbesuch nach Brüssel gereist und beteuerte dort seinen Pro-Europa-Kurs. Die Abwesenheit nutzte Premierministerin Julia Timoschenko. Sie stoppte alle Stromlieferungen der Ukraine zu den EU-Nachbarn Rumänien, Ungarn und der Slowakei.
Der Stopp der Stromlieferung soll einen Monat dauern. Als offizieller Grund wurden Kohleengpässe genannt. Der Kohlepreis sei demnach so hoch, dass sich ein Export des Stroms finanziell nicht lohne. Die betroffenen Staaten reagierten indes gelassen, denn die Stromlieferungen aus der Ukraine sind sehr gering und fallen daher kaum ins Gewicht. Ein Sprecher des slowakischen Wirtschaftsministeriums behauptete sogar, gar nicht gewusst zu haben, dass man Stromlieferungen aus der Ukraine beziehe.
Dass sich hinter der Aktion ein politischer Schachzug verbergen könnte, daraus machte selbst die Sprecherin des staatlichen Stromkonzerns Zakhidenegro keinen Hehl. Sie meinte, dass es von der Reaktion des Präsidenten abhänge, wann wieder die Stromlieferungen aufgenommen werden. Die Strategie dürfte funktioniert haben: Den EU-Gastgebern in Brüssel wurde deutlich gezeigt, wie wenig Macht der ukrainische Präsident in Energiefragen hat (mehr Informationen zur Ukraine siehe hier).