Nach dem Regierungswechsel in Baden-Württemberg stehen dem Energiekonzern EnBW aufregende Zeiten bevor. Das Unternehmen, das auf Kernkraft setzt, gehört dem Land und dürfte sich bald mit den Atomkraftgegnern auseinandersetzen dürfen.
Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) ist der drittgrößte Energiekonzern Deutschlands. Daneben bringt der Konzern mit einem Anteil von 51 Prozent die höchste Menge an Atomstrom in das deutsche Stromnetz. Nachdem nun Grün-Rot die Landtagswahl in Baden-Württemberg gewonnen hat, dürfte sich einiges für den Stromkonzern ändern.
Seit knapp drei Monaten befindet sich der Energiekonzern mehrheitlich im Besitz des Landes Baden-Württemberg. Nach dem letzten Wahlergebnis ist nun Winfried Kretschmann der wohl erste Ministerpräsident, der ein „grünes Parteibuch” aufweisen kann. Somit kann er ab nun bei EnBW als Politiker und auch als Eigentümer mitsprechen.
Somit befindet sich der Atomkonzern direkt unter dem Einfluss von Atomgegnern. Dieser Umstand ist für Deutschland absolute Premiere.
Wie sich das nun genau auf den Konzern auswirken wird, kann aktuell noch nicht eingeschätzt werden. Aber man kann davon ausgehen, dass harte Zeiten für EnBW anbrechen werden, da sowohl Kretschmann als auch sein baldiger Juniorpartner Nils Schmid der Atomkraft so schnell wie möglich ein Ende bereiten wollen.
Erst in den vergangenen Tagen kündigte der Ministerpräsident an, dass sich seine Partei einer Klage gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken anschließen werde. Zudem möchte er eine „harte Atomaufsicht führen”.
Das AKW Neckarwestheim 1 soll in absehbarer Zeit endgültig vom Netz genommen werden. Geht es nach den Grünen brechen für das AKW Philippsburg 1 ebenfalls die letzten Tage an. Kretschmann hat am Abend des Wahlsonntags deutlich zum Ausdruck gebracht, dass der Atomausstieg sogar noch beschleunigt werden soll. Die Gemüter sind vorerst beruhigt.
Das wird EnBW schwer zu schaffen machen, da die Atomenergie im vergangenen Jahr immerhin mehr als die Hälfte der gesamten Energieerzeugung des Konzerns ausmachte. EnBW betreibt insgesamt vier Atomkraftwerke.
Für den Konzern könnten erhebliche Kosten entstehen, die den jeweils zweiten Blöcken der AKW in Philippsburg und Neckarwestheim zuzurechnen sind. Dies tritt in Kraft, wenn die grün-rote Regierung neue Auflagen und Sicherheitskontrollen für die zwei Blöcke erheben wird. Laut der „Wirtschaftswoche” zieht dann das „Ende eines stolzen Konzerns” herauf.